1001 Nacht

nachwort

Aus dem Nachwort der Übersetzerin Claudia Ott

Warum eine neue Übersetzung von Tausendundeine Nacht? Diese Frage wurde mir während der Arbeit an diesem Buch häufig gestellt. Schließlich gibt es Tausendundeine Nacht schon auf Deutsch, sogar in zahlreichen unterschiedlichen Ausgaben. Warum also jetzt eine Neuübersetzung?

Auf diese Frage lassen sich viele Antworten geben. Zunächst: Die hier vorliegende Version von Tausendundeine Nacht kennt das deutschsprachige Lesepublikum noch nicht. Die Edition von Muhsin Mahdi wird hier zum ersten Mal vollständig ins Deutsche übertragen.

Zweitens: Die Ausgabe von Muhsin Mahdi beinhaltet die wohl älteste erhaltene arabische Fassung von Tausendundeine Nacht. Die ihr zugrundeliegende sogenannte «Galland-Handschrift» – ein Torso, der in der 282. Nacht, mitten in der «Geschichte von Kamarassaman», abbricht – wurde wahrscheinlich um 1450 geschrieben und befindet sich seit 1701 im Besitz der französischen Nationalbibliothek. 1984 hat der irakische Arabist Muhsin Mahdi diese Handschrift durch eine Edition der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Edition der Galland-Handschrift durch Muhsin Mahdi bildet die Vorlage der neuen Übersetzung.

Vielleicht der entscheidende Grund für die Neuübersetzung ist aber folgender: Bei der neu übersetzten Version von Tausendundeine Nacht handelt es sich um dieselbe Vorlage, die der französische Orientalist Antoine Galland ab 1704 ins Französische übertrug und mit der vor dreihundert Jahren der Siegeszug von Tausendundeine Nacht durch die Kulturen Europas und der Welt begann. Exakt dreihundert Jahre nach dem ersten Erscheinen von Tausendundeine Nacht auf der literarischen Bühne der nichtarabischen Welt liegt der Text, mit dem «alles begann», nun erstmals in deutscher Sprache vor.

Schließlich noch eine vierte, ganz persönliche Antwort auf die oben gestellte Frage: Tausendundeine Nacht lebt vom Kontrast zwischen schlichter Erzählsprache, eleganten Reimprosapassagen und kompliziert konstruierten, klangvollen Gedichten. Und es sind gerade die Gedichte, die das poetische Herzstück von Tausendundeine Nacht bilden. Zwar nehmen die Gedichte gegenüber dem Gesamttext nur einen kleinen Raum ein. Dennoch konnte ich in ihren Reimen und Rhythmen so etwas wie den Herzschlag von Tausendundeine Nacht vernehmen. Um diesen Herzschlag auch noch in der Übertragung ins Deutsche spürbar werden zu lassen, habe ich auf die originalgetreue Wiedergabe von Reim und Metrum der arabischen Gedichte die größte Sorgfalt verwendet. Auch dieser Schwerpunkt ist für eine Übersetzung der Erzählungen aus tausendundeiner Nacht etwas Neues.

Weitere Kapitel des Nachworts

Ursprung und Überlieferung von Tausendundeine Nacht

Die „Galland-Handschrift“

Die Edition von Mushin Mahdi

Die neue Übersetzung

Wie diese Übersetzung entstand
Leitlinien der Übersetzung
Die Überschriften
Der fiktive Erzähler
Erzählsprache
„Geflügelte Worte“: Koran-Zitate und arabische Sprichwörter
Reimprosa
Gedichte
Reim
Metrum
Liste der ins Deutsche übertragenen arabischen Versmaße

Ein Buch zum Lesen und Vorlesen

Danksagung

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