1001 Nacht

uebersetzung

Tausendundeine Nacht – das unbekannte Original

Diese Neuübersetzung von Tausendundeine Nacht macht erstmals die älteste erhaltene arabische Fassung der berühmten orientalischen Erzählsammlung auch deutschen Lesern zugänglich. Daß diese frühe Fassung bisher nicht ins Deutsche übertragen worden ist, mag angesichts der zahlreichen Ausgaben der Geschichten aus tausendundeiner Nacht überraschen, erklärt sich aber leicht aus der Geschichte des Werks.

Als Antoine Galland 1704 – vor genau dreihundert Jahren – den ersten Band einer französischen Übersetzung von Tausendundeine Nacht herausbrachte und damit das in Indien entstandene und vor mehr als tausend Jahren über Persien in den arabischen Raum überlieferte Werk erstmals in Europa bekannt machte, hatte er mit einer arabischen Handschrift aus dem 15. Jahrhundert gearbeitet. Diese Handschrift bricht allerdings in der 282. Nacht ab. Galland behalf sich, indem er – animiert vom überwältigenden Erfolg der ersten Bände – immer neue arabische Erzählungen in die Sammlung einfließen ließ. Zudem änderte er die Anordnung und schmückte die Erzählungen phantasievoll aus. Die Geschichten aus tausendundeiner Nacht spiegelten auf diese Weise ein romantisch-exotisches Orientbild wider, das von Europäern erst in sie hineingelegt wurde.
Das gilt auch noch für die in Deutschland bis heute maßgebliche Übersetzung von Enno Littmann, die zuerst in den Jahren 1921–1928 in sechs Bänden erschien. Littmann hat die zuweilen drastische Ausdrucksweise des Originals abgemildert, derbe erotische Szenen entfernt und insgesamt die Geschichten dem deutschen Buchmärchenstil angeglichen. Solche Anpassungen an den europäischen Geschmack wurden dadurch erleichtert, daß inzwischen eine Fülle von unterschiedlichen arabischen Manuskripten meist jüngeren Datums zur Verfügung stand, die verschiedene Geschichten und Versionen enthielten und kurioserweise zum Teil erst durch Rückübersetzungen aus europäischen Sprachen ins Arabische entstanden sind. Auch jüngere Übersetzungen gehen auf europäisch geprägte arabische Handschriften zurück.

Die Situation hat sich grundlegend geändert, nachdem Muhsin Mahdi 1984 die von Galland entdeckte Handschrift aus dem 15. Jahrhundert erstmals in einer wissenschaftlichen Edition zugänglich gemacht hat. Erst hierdurch ist die mit zahlreichen Randbemerkungen versehene, nicht immer leicht entzifferbare arabische Handschrift wirklich lesbar und übersetzbar geworden. Der Verlag C. H. Beck hat sich die deutschen Übersetzungsrechte gesichert und kann endlich auch deutschen Lesern die Geschichten aus tausendundeiner Nacht in einer von allen Übermalungen, Ausschmückungen und Prüderien der letzten Jahrhunderte freien Form präsentieren. Im Jahr 2006 erschien bei dtv die Taschenbuchausgabe.
Nicht mehr ein europäischer Orientalismus wird durch Tausendundeine Nacht zu uns sprechen, sondern endlich der Orient selbst.der Universität Erlangen-Nürnberg.

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