1001 Nacht

lektor

Als ich klein war, muß mir irgendjemand die Geschichten aus tausendundeiner Nacht vorgelesen haben. Ich erinnere mich genau an einzelne Bilder, die mich vor langer Zeit tief beeindruckt haben. Der weise Kalif, der unerkannt auf den Straßen Bagdads nach dem Rechten in seinem Reich sieht, der bettelarme Träger, der auf einem Markt mit exotischen Lebensmitteln einer schönen und reichen Dame begegnet, die ihn zu sich nach Hause einlädt, ein Hinterhof im Gassengewimmel, in dem eine Leiche gefunden wird, verwunschene Inseln, in Flaschen gebannte Dämonen, Paläste und Gärten – all das war für mich der Zauber des Orients. Die unmittelbare Verzauberung und Faszination hat sich später jedoch nicht wieder eingestellt, auch nicht auf Reisen durch den Orient. Die deutschen Übersetzungen von „Tausendundeiner Nacht“ glichen in den Augen des Erwachsenen europäischen Kunstmärchen, und überhaupt hatte der Orient auf einmal mehr mit Nahost-Politik und Fundamentalismus zu tun als mit weisen Kalifen und klugen Haremsdamen. Das älteste arabische Manuskript in der Übersetzung von Claudia Ott war für mich schon bei der ersten Lektüre wie ein Blick zurück in eine längst versunkene Zeit. Es gab es also doch noch, dieses farbige, zauberhafte Morgenland, das einen gleich in seinen Bann zieht. Für mich stand sofort fest, daß wir diese einzigartige Neuübersetzung herausbringen müssen.

Ulrich Nolte

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